Nachbereitung zum Naziaufmarsch und den Gegenaktionen am 7.7. in Frankfurt

Antifa Koordination Frankfurt Ende Juli 2007

I. Mobilisierung/Vorfeld

Als wir als Antifa-Koordination Frankfurt in die Gegenmobilisierung zum Naziaufmarsch einstiegen, gab es bereits zahlreiche Plakate, Flyer und sogar Videos der unterschiedlichsten Gruppen – hauptsächlich der Anti-Nazi Koordination -, die erfreulicherweise dazu aufriefen, den Naziaufmarsch zu be- bzw. verhindern.
Deshalb, und aufgrund unserer internen Positionsbestimmung, als nicht gegen, sondern als Ergänzung zur ANK (Antinazikoordination), beschlossen wir, unserer Mobilisierung ein sehr starkes eigenes Profil zu geben, um damit hauptsächlich in das mögliche Antifa-Spektrum hineinzuwirken. Auch weil wir den Aufmarschversuch vornehmlich als Chance begriffen linke und antifaschistische Inhalte und Strukturen in Frankfurt und darüber hinaus langfristig zu stärken. Schließlich ist ein Naziaufmarsch nur ein (wenngleich wichtiges) Symbol dem ein kontinuierliches antifaschistisches Engagement entgegen gesetzt werden muss.

Wir einigten uns deshalb auf ein mehrgliedriges Mobilisierungskonzept: Geworben werden sollte, zum einen mit Vorfeldaktionen, mit (z.T. inhaltlichen) Veranstaltungen, und natürlich auch mit den üblichen Medien (Homepage, Plakate, Aufkleber, Videos, etc.).

a) Vorfeldaktionen

Um den Nazis in Frankfurt schon im Vorfeld des 7.7. die Laune zu verderben, fanden zwei Outing Aktionen statt, an denen jeweils knapp 50 Menschen teilnahmen.

Am 12.05.07 wurde in der ersten Outing-Phase die Nachbarschaft des Neonazis Paul Litschke auf dessen Umtriebe aufmerksam gemacht ( http://antifa-frankfurt.org/NS-Demo2007/nazi-outing.html). Genau eine Monat später, am 13.06.07, wurden drei weitere Nazis: Eric Buxman, Oliver Lack und Alexander Wenzel besucht, wobei am Ende leider die Polizei die Anwesenden daran hinderte bei Oliver Lack noch vorbeizuschauen (http://de.indymedia.org/2007/06/184611.shtml).

Zusätzlich zu den offiziellen Aktionen, wurden einige AntifaschistInnen wohl lieber bei Nacht aktiv: es gab des Öfteren Anlass zur Vermutung, dass Häuser von bekannten Nazis bei Dunkelheit verschönert worden wären, außerdem heulte die Frankfurter NPD schon Wochen vor dem Aufmarsch rum, dass sie gravierendem „linkem Terror“ ausgesetzt wäre und es zu mehreren Angriffen auf ihre Mitglieder gekommen sei.

b) Veranstaltungen

Da als Teil der Mobilisierung ebenfalls eine inhaltliche No-Go-Area für Nazis geschaffen werden sollte, organisierten wir zwei inhaltliche Veranstaltungen in Frankfurt: Am 20.06. fand im Café KoZ, an der Uni, eine Veranstaltung mit Nadja Rakowitz statt, die sich inhaltlich mit rechtem „Antikapitalismus“ beschäftigte, am 27.06. gab es Informationen zu den Strukturen der Nazis im Rhein-Main Gebiet. Beide Veranstaltungen waren mit jeweils über 70 TeilnehmerInnen gut besucht.

Aber es fanden natürlich auch die üblichen Info- und Mobilisierungsveranstaltungen statt. In Aschaffenburg, Mannheim, Gießen, Darmstadt, Hanau, Wiesbaden und gleich drei verschiedene in Frankfurt. Diese Veranstaltungen waren ebenso überwiegend gut besucht, und die ReferentInnen gaben durchaus den Eindruck weiter, dass das Konzept in angemessener Form hätte vermittelt werden können.

Außerdem besuchten GenossInnen verschiedene Jugendzentren, um auch die Jugendlichen vor Ort auf den Aufmarsch aufmerksam zu machen.

Eine letzte Infoveranstaltung organisierten wir für den Vorabend des Naziaufmarsches, um die bereits angereisten AntifaschisInnen noch mit den letzten Infos zu versorgen. Aufgrund des Zeitmangels an den Tagen vor dem Aufmarsch war diese Veranstaltung jedoch eher schlecht als recht vorbereitet, wofür wir uns an dieser Stelle entschuldigen.

c) Media und Streetart

Neben Vorfeldaktionen und Veranstaltungen gab es natürlich auch eine Mobilisierung mit den üblichen Medien.
Es wurden insgesamt über 20.000 Aufkleber und mehrere tausend Plakate verschickt, verklebt und verteilt. Die zwei verschiedenen Aufkleber-Serien fanden sehr großen Anklang und halfen bereits im Vorfeld des Aufmarsches eine Atmosphäre in Frankfurt zu erzeugen, die nicht nur für Verständnis, sondern um offene Sympathien für antifaschistische Aktionen gegen Nazis warb.

Wir richteten eine Sonderinternetseite ein, die fast 10.000 Besucher alleine in den letzten drei Wochen vor dem Aufmarsch erreichte, leider fast immer – ebenfalls aus Zeitmangel - nur semi-aktuell war und verteilten in Frankfurt entlang der Route Informationen für die AnwohnerInnen.

Außerdem gab es ein paar sehr schicke Mobilisierungsvideos, die in ihrer Schönheit immer noch auf youtube zu betrachten sind.

Zwei Tage vor dem Aufmarsch wurde durch den HR dann bekannt, dass sich auch im Aufmarschgebiet aktive AntifaschistInnen nicht auf die faule Haut gelegt hatten. Diese verteilten fingierte Flugblätter, die einen „Sperrmüll-Tag“ für den 7.7. in den von dem Aufmarsch betroffenen Stadtvierteln ankündigten. Die Frankfurter Polizei folgerte messerschaf, dass die „täuschend echte Fälschung“ Material für Wurfgeschoße und Barrikaden zum Ziel hatte. Den Anwohnern war's wurscht, die Straßen waren erstmal voll mit Sperrmüll und die FES war damit beschäftigt in Sonderschichten den Müll „noch rechtzeitig“ abzuholen. So einfach geht Sperrmüll für alle...

d) Presse

Die Pressearbeit im Vorfeld des Aufmarsches tat ihr Übriges zur Mobilisierung. In zahlreichen Artikeln in FR, FAZ und FNP wurden große Teile der Pressemitteilungen zitiert, außerdem führte unser Pressesprecher, Lars Mertens, mehrere Pressegespräche in denen er das Antifa-Konzept für den Tag selbst erklärte. Konsequenz war ein verhältnismäßig sehr intensiv geführter Diskussion über militante Aktionen der Antifa, der in Teilen ebenfalls für Verständnis auch zu körperlichen Angriffen auf Nazis warb.

Negativ stach in der Presselandschaft überraschenderweise gerade das linke Medium Indymedia hervor. Auch wenn sich im Vorfeld eines derartigen Events immer sehr viele Menschen dazu berufen fühlen auch weniger gut geschriebene Artikel zu posten, irritiert es uns doch zunehmend, dass gerade Artikel aus Frankfurt des Öfteren den Löschorgien der Moderatoren zum Opfer fallen und solche Großereignisse damit im Vorfeld fast totgeschwiegen werden. Ein grundsätzliches Gespräch mit der Moderatorengruppe wird hier für die Zukunft hoffentlich Missverständnisse vorbeugen.

Super war auf jeden Fall ein Artikel des Infokollektives Freiburg (http://de.indymedia.org/2007/07/187487.shtml), der nach der Nazidemo fast alle Nasen der Öffentlichkeit vorstellte.

e) allgemeine Einschätzung

Wie viele Menschen letztendlich durch die Mobilisierung erreicht werden konnten, lässt sich schwer sagen, auch weil am Tag selbst immer viele Gruppen unterwegs waren und die Einschätzung über das Spektrum dem diese zuzuordnen sind ebenfalls nicht einfach ist.

In Antifakreisen, bzw. in linksradikalen Spektren wussten sehr viele von dem Termin und über das Konzept Bescheid, in Frankfurt selbst, bzw. in eher bürgerlichen Kreisen, wurde der Naziaufmarsch jedoch erst sehr spät zum Thema.
Was sicherlich ein Manko der Print- Mobilisierung war, war das im Design teilweise schlicht die Wichtigkeit des Datums nicht sonderlich zum Ausdruck kam. Beim nächsten Versuch werden vor allem das Datum und der Ort mehr Platz auf den Plakaten bekommen müssen. Außerdem hätten es noch anderssprachige Flyer geben sollen, um auch alle Teile der Frankfurter Bevölkerung zu erreichen.

Interessiert hat sich für die Plakate allerdings auch vornehmlich die Polizei, die sich durch einen richterlichen Beschluss dazu berufen fühlte diese im Café Exzess, in Aschaffenburg und in Nürnberg einfach wieder einzusammeln.

Zum Einsammeln wurde außerdem die FES, die „Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH“, gezwungen, die nächtelang durch Frankfurt fuhren, um unsere Aufkleber fein säuberlich wieder zu entfernen.

Die Struktur der Mobilisierung, und die niedrigschwellige Ausrichtung auf ein eigenes Antifaprofil, empfinden wir auch im Nachhinein als gerechtfertigt, wobei auch hier, aufgrund des Zeitmangels und der Knappheit der personellen Ressourcen, generell vieles unterging, oder nur halb erledigt wurde.

Ein bundesweites Vorbereitungstreffen, wäre der Größe der Events z.B. mit Sicherheit gerecht geworden, leider fehlte auch hier einfach die Zeit.

Ein Grund für den immensen Zeitmangel im Vorhinein waren vor allem die G8-Proteste, die ca. einen Monat vor dem Aufmarsch stattfanden und viele der Beteiligten auf unserer Seite zeitlich gebunden haben.

II. Der Tag selbst

a) Konzept

Das Konzept belief sich im Allgemeinen auf wenige Punkte und sollte zum einen bisherige Erfahrungen mit Nazisaufmärschen reflektieren, zum anderen der Übermacht der Staatsgewalt, die sich mit 8.000 Polizisten angekündigt hatte, gerecht werden. Klar kommuniziert hatten wir bereits im Vorhinein, dass wir den Aufmarsch unter keinen Umständen kritisch begleiten wollten. Für unsere Mobilisierung wichtig waren hierbei im Wesentlichen 4 Punkte:

Schon im Vorfeld hatten wir für dieses Konzept sehr öffentlich geworben und publik gemacht, dass eigenverantwortliche Selbstbeteiligung der TeilnehmerInnen, mit einem funktionierenden Kommunikationskonzept die Basis für dieses Konzept bietet.

- Anreise der Nazis verhindern:

Hier kam es zu sehr erfolgreichsten Aktionen. Wie die Medien bereits tagsüber berichteten gingen zahlreiche Signalkästen der Deutschen Bahn in Flammen auf, was dazu führte, dass die Anreise nach Frankfurt mit der Bahnen aus Norden, bzw. Nordwesten sehr lange überhaupt nicht möglich war und ein Sachschaden von ca. 300.000 Euro entstand. Die Nazis konnten vorher festgelegte Treffpunkte nicht nutzen und waren zum Teil gezwungen vereinzelt mit PKWs in die Stadt zu kommen. Wohl als Fanal brannten auch schon am frühen Morgen in Rödelheim mehrere kleinere Barrikaden aus Müllcontainern und ähnlichem.

Verschuldet hatte eine Gruppe von ca. 60 Nazis das Misslingen ihrer Anreise allerdings auch selbst: Wegen ihres „schlechten Benehmens“ setzte sie ein Lokführer an der Stadion „Frankfurter Berg“ kurzerhand vor die Tür, wo sie dann bis auf weiteres auch festsaßen.

Eine bundesweite Beteiligung auch schon an den Abfahrtorten der Nazis hatten wir uns im Vorhinein gewünscht, durch die fehlende bundesweite Mobilisierung wurde diesem Wunsch leider keine Rechnung getragen.

- Blockade der Anfahrt zum Auftakt-Kundgebungsplatz:

Mit Hilfe zweier flexibler Blockadepunkte sollte, zusätzlich zu den von der ANK angekündigten Blockaden, der Transfer der Nazis zu ihrem Auftaktkundgebungsplatz verhindert werden.
Um den Informationen über die Anreise der Nazis Rechnung zu tragen, entschieden wir uns, einen Blockadepunkt nach Rödelheim also nordwestlich des Aufmarschgebietes der Nazis zu verlegen, einen anderen Richtung Innenstadt, also an die Bockenheimerwarte.

Der erste Teil des Blockadekonzeptes funktionierte prächtig. Der Rödelheimer Bahnhof wurde besetzt, die Galluswarte trotz Bullenketten „gestürmt“ und auch die Schienen auf der Emser Brücke wurden zeitweilig unpassierbar gemacht. Im Ergebnis bedeutet dies: mit Hilfe dieser Punkte, wurde die Anreise der Nazis denn auch um ca. 2 ½ Stunden verzögert. Die Blockade am Rödelheimer Bahnhof sorgte sogar dafür, dass der vorher lange angekündigt Treffpunkt in Bad Soden von den Nazis nicht genutzt werden konnte und sie auch aus dieser Richtung teilweise völlig unkoordiniert mit den privaten PKWs in die Stadt kommen mussten.

Leider zu wenige Gedanken hatten wir uns im Vorfeld dann aber doch über eine Strategie gemacht, die klärte was passieren sollte, wenn die Blockadepunkte von den Gruppen erreicht werden.

Das führte dann auch zu der Missstimmung vor Ort und zum relativ schnellen Räumen der Blockaden durch das Eingreifen des „Freund und Helfers“. Allerdings auch hier noch mal der Hinweis: Blockaden leben davon, dass sich die Blockierenden längere Zeit an einem Ort aufhalten. Dass das manchmal ziemlich langweilig sein kann, liegt leider schon in der Struktur von Blockaden begründet.

Ein sehr großes Dankeschön müssen wir an dieser Stelle aber noch mal den Blockadegruppen aussprechen, sie haben einen sehr großen Teil zur Verzögerung der Anfahrt beigetragen und durch ihre Flexibilität auch so manchen Fehler in der Kommunikationsstruktur ausgeglichen.

- Route blockieren:

Für den Fall, dass die vorherigen Punkte nicht ausreichen sollten, war hier angedacht einen Punkt auf der Route, relativ nah am Auftaktkundgebungsplatz der Nazis zu erreichen und durch eine Blockade den Aufmarsch aufzuhalten. Da ca. 16 Bullen pro Nazi mit Wasserwerfern, Hunden Hubschraubern, Räumpanzern, Natostacheldraht und kilometerweise Absperrgitter, usw. das Aufmarschgebiet jedoch weiträumig abgesperrt hatten und es für größere Gruppen kaum Möglichkeiten gab unbeobachtet in dessen Nähe zu gelangen, mußte dieser Teil konzeptionell einfach ausfallen. Trotzdem gelang es einigen Antifaschisten an die Route zu kommen und sogar die Nazidemo kurz anzugehen. Allerdings kam es auch hier schnell zum Einsatz von BFE-Einheiten und einem Wasserwerfer, so dass die Leute abgedrängt wurden.

- Protest im übrigen Stadtgebiet:

Den Protest in die Innenstadt zu tragen hatte vor allen Dingen ein Ziel: Der politische Preis für die Durchsetzung des Naziaufmarsches sollten in die Höhe getrieben werden, Frankfurt sollte klar gemacht werden, dass Naziaufmärsche hier nur im Ausnahmezustand möglich sind.

Geklappt hat das alles nur sehr mäßig. Dass es trotz des Aufgebotes von 8.000 Polizisten militanten Widerstand gab, sollte man nicht klein reden, trotzdem wäre noch einiges mehr möglich gewesen. Worin lagen die Fehler?
Zum einen im Fehlen eines zentralen Treffpunktes. Wir hatten uns während der Mobilisierungsphase gesträubt einen zentralen Treffpunkt zu benennen, eben weil die gerichtlichen Entscheidungen über die endgültigen Bedingungen noch aus standen. Trotzdem wäre es möglich gewesen am Abend vorher einen solchen Treffpunkt bekannt zu machen, evtl. hätte dies zum Gelingen beigetragen. Hinzukommt, dass wohl der Zeitpunkt, an dem diese Protestform beginnen sollte für viele unklar war. Ein zentraler Treffpunkt, verbunden mit einer festen Uhrzeit hätte also vermutlich Abhilfe schaffen können.

Zum anderen lag der Fehler aus unserer Sicht in der falschen Einschätzung des Potentials der anwesenden Leute. Trotz fehlerhafter Kommunikationsstruktur hatte es ja letztendlich doch eine Demo gegeben, die sich von der Bockenheimer Warte in Richtung City bewegte und an der so um die 600 Menschen teilnahmen, die weitgehend durch ihr Erscheinungsbild der linksradikalen Szene zuzurechnen gewesen wären. Als sich die Demo in Bewegung setzte, wurden Scheiben des Verwaltungsgerichtes eingeschlagen und immer wieder kleinere Barrikaden gebaut und in Brand gesetzt. Woran es letztendlich lag, dass sich dann im Folgenden so wenig Leute einbrachten, können wir selbst nur vermuten. Denn auch die Bullen haben an diesem Punkt gezeigt: auch der größte Polizeiaufmarsch bietet immer Lücken im System.

Ein Punkt wäre, so nehmen wir an, eine Sache, über den viele, sich selbst als militant verstehende, DemoteilnehmerInnen noch einmal nachdenken sollten. In Konsumhaltung zu verharren und sich im Endeffekt darüber zu beschweren, dass niemand anderes was gemacht hat hilft in solchen Situationen weniger als nicht weiter.
Etwas versöhnlicher lässt sich jedoch feststellen, dass im Gesamtbild doch einiges ging: Im Bereich des Bahnhofsviertels und anderen Orten konnten AntifaschistInnen viele kleinere Schnäppchen machen, es ist also doch gelungen, außerhalb der polizeilich kontrollierten Zone, eine No Go Area für Nazis an diesem Tag in Frankfurt zu schaffen. Etwa 80 abreisende Nazis wurden im Hauptbahnhof mit Steinen und Flaschen verabschiedet und in den Abendstunden bzw. am nächsten Tag trieben noch mehrere Kleingruppen die Kosten nachträglich in die Höhe. So wurde auf Indymedia zum Beispiel von einer militanten Aktion in Bornheim berichtet, bei der zahlreiche Scheiben von Ketten dran glauben mussten, im Bereich des Westbahnhofes kam es noch zu kleineren Schäden an größeren Läden (wie Aldi) und letztendlich wurden in Hausen und in Rödelheim als kleines Dankeschön an die VGF für die Nazi-Sonderzüge noch mehrere Fahrkartenautomaten abgefackelt.

b) Infrastruktur/ Kommunikationsstruktur

Die Infra- und Kommunikationsstruktur am Tag selbst war vor allem eines: fehlerhaft. Hierfür wollen wir uns an dieser Stelle bei allen Anwesenden entschuldigen. Wir haben versucht die Lücken zu finden und werden beim nächsten Mal eine solche Situation hoffentlich zu vermeiden wissen.

Trotzdem noch einiges grundsätzliches: Aufgrund gebrochener Absprachen von Seiten der ANK wurden wir zwei Tage vor dem 7.7., vom Infotelefon der ANK ausgeschlossen. Man wollte sich dort von Seiten einiger Gewerkschaftsfunktionäre dann doch nicht zu sehr mit aktivem und militantem Antifaschismus gemein machen und bekam „plötzlich“ kalte Füße. Schade, dass die Zusammenarbeit doch mal wieder nicht geklappt hat.

Wir hatten also jedenfalls keinerlei Möglichkeiten über das „offizielle“ Infotelefon zu kommunizieren, womit eine zentrale Säule unseres Kommunikationskonzeptes schon im Vorhinein ausfiel. Der Aufbau eines eigenen Telephons war aufgrund der Kürze der Zeit leider nicht mehr zu realisieren, beim nächsten Mal werden wir dies von Beginn an mitbedenken, um solchen Schwierigkeiten vorzubeugen.

Das Nicht-Funktionieren des WAPs und die Verspätung, mit der einige SMS verschickt wurden, lag zum einen an technischen Problemen, zum anderen haben wir bereits in der Vorbereitung, auch aufgrund des neuen Zusammenhangs, technische Tücken übersehen. Dieser vermeidbare Fehler liegt also bei uns und auch das werden wir beim nächsten Mal besser machen. Da sich die meisten Schwierigkeiten mit diesen Medien einfach vermeiden lassen, finden wir, dass wir trotzdem ganz positive Erfahrungen damit gemacht haben und können diese auch sehr dringend weiterempfehlen.

Was gut funktionierte waren die MelderInnenstrukturen. Durch die Hilfe von zahlreichen aktiven AntifaschistInnen gab es, trotz technischer Rückschläge, noch die Möglichkeit zu kommunizieren. Leider war diese Struktur wegen des Ausfalls der anderen Säulen relativ schnell überlastet. Für die Zukunft werden wir diese Struktur auf jeden Fall stärken.

III. Nachbereitung/ Perspektiven

Wie bereits im Vorfeld angekündigt sind wir mit dem Aufmarsch noch nicht am Ende angelangt, sondern wollen versuchen, das durch den Aufmarsch in Frankfurt und Umgebung entstandene Potential zu nutzen und in die Szene oder/und antifaschistische Strukturen zu integrieren. Deshalb wird es auch im Nachhinein noch verschiedene inhaltliche Veranstaltungen geben, vor allem im Bereich Jugendantifa, und wir werden die Nazis auch bestimmt nicht in Ruhe lassen. Look forward for further Information

IV. Eigene Struktur

Die Zusammenarbeit in der Antifa-Koordination Frankfurt war für alle beteiligten Gruppen neu. Nicht so positiv verlief die Öffnung der verschiedenen AGs auf dem Rhein-Main Plenum. Trotz der Vorstellung der einzelnen Arbeitsgruppen und der Aufforderung an die Anwesenden sich in diversen Strukturen einzubringen, war die Resonanz gleich null. Auch ein Grund für die personelle Überlastung, die nicht wenig zu so manchem Fehler beigetragen hat. Aber auch hier kann die Perspektive nur im Bessermachen liegen.

V. Resümee/ Einschätzung zu den Nazis

Es war kein Erfolg, aber es war auch keine Katastrophe. Es wurden viele Fehler gemacht, aber es ist auch vieles Gutes gelaufen.

Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass die meisten Nazis wohl keinen Spaß hatten. Mit 600 angereisten Nazis blieben sie weit hinter den angekündigten 1.500 Teilnehmern zurück. Die verschobene Anreise hat so manchem schon auf der Hinfahrt die Lust genommen, wenn sie überhaupt in Frankfurt ankamen, waren die meisten unter ihnen schon ziemlich entnervt.

Ein gehacktes E-mail Postfach, über das wohl eine E-mail lanciert wurde, die die Demo am Abend vorher absagte, trug wohl, ebenso wie der gehackte SMS-Verteiler, der kleinere Nazigrüppchen direkt in die Innenstadt schickte, zur allgemeinen Verwirrung bei. Interne Streits, die dann auf der Demo ausgetragen wurden und ein lächerlicher Sitzstreik munterten die Stimmung auch nicht gerade auf.

Marcel Wöll, der sich über diese Demo in der aktiven Nazisszene Profil verschaffen wollte und dementsprechend die Mobilisierung sehr martialisch betrieben hatte, hat sich selbst bisher noch nicht zu dem Tag geäußert, vermutlich wird es aber nicht der persönliche Erfolg für ihn geworden sein, den er sich erhofft hatte.

Und auch wenn sich so manche Nazicliquen- wie könnte es anders sein - mal wieder selbst abfeiern: Die Kräfteverhältnisse in Frankfurt haben sich durch diesen Tag nicht in ihre Richtung verschoben. Frankfurt ist und bleibt auch in Zukunft ein sehr heißes Pflaster für Nazis und einige der Demoteilnehmer auf Seiten der Faschos haben das ja auch schon des Öfteren (und nicht zuletzt am 7.7.) hautnah erleben dürfen.

Und wir selbst? Naja, eines unserer Ziele war die Stärkung linker Strukturen und Inhalte in Frankfurt selbst. Es muß sich in Zukunft zeigen, inwiefern wir hier Erfolge erzielen konnten.

Sicherlich entstanden durch die neue Form der Zusammenarbeit kleinere organisatorische Lücken, wir konnten jedoch Kontakte ausbauen und die autonomen Antifa-Strukturen in Frankfurt festigen. Gleichzeitig wurden die einzelnen Gruppen ein wenig größer, die Jugendantifa gestärkt.

Das Stadtbild ist durch die vielen tausend Aufkleber und Plakate viel schöner geworden und unsere Inhalte so präsent wie lange nicht.

Und die sehr intensiv betriebene Pressearbeit bescherte uns die beste Presse seit langem, in der Antifa und nicht irgendwelche bürgerlichen Gruppen den Schwerpunkt bildete.

Und trotz einiger Fehler und Pannen sind wir, auch jetzt im Nachhinein, davon überzeugt, dass das angewendete Konzept die einzig richtige Reaktion auf die Strategie der Nazis und der Bullen an diesem Tag war. Denn auch wenn die Infrastruktur tadellos funktioniert hätte, wären immer noch 8.000 Bullen, 4 Hubschrauber, etliche Wasserwerfer und Räumpanzer, etc. in der Stadt gewesen, die versucht hätten den antifaschistischen Protest zu behindern. Es gibt letztendlich immer noch einiges zu lernen, aber wir können dieses Konzept nur guten Gewissens an andere Gruppen und Städte weiter empfehlen. Die Umsetzung muss aber bestimmt noch verbessert werden.

Schließlich kann die Verantwortung für den durchgeführten Aufmarsch nicht in irgendeiner, wie auch immer gearteten Stärke der Nazis gesucht werden. Es ist um einiges einfacher: der Aufmarsch war in Frankfurt an diesem Tag politisch gewollt. Die Stadt hatte im Vorfeld nicht einmal versucht den Aufmarsch zu verbieten und auch als die Nazis „BRD Judenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt“ skandierend durch Frankfurt liefen, sahen sie keine Veranlassung für einen Abbruch. Obwohl dies rechtlich jederzeit möglich gewesen wäre.

Trotzdem konnte, jenseits dieser wahrscheinlich größten polizeilichen Machtdemonstrationen nach dem G8-Gipfel, durch die Vermittlung militanterer Actions wieder einmal Marketing für autonome Aktionsformen gemacht werden, und: wir haben unseren Protest nicht vereinnahmen lassen. Eine Mobilisierung, die militante Aktionsformen von Anfang an einschloss und propagierte und ebenso das Einsetzen dieser Aktionsformen haben es dem rechtsbürgerlichen Römerbergbündnis und Co unmöglich gemacht, uns als die „besseren Deutschen“ vorzuführen. Ein Erfolg, wie wir finden, der sich so bei einigen der letzten Großaufmärsche nicht einstellen wollte.

Kurz und Knapp lässt sich als Fazit formulieren: Es ist vieles gut gelaufen, es hätte vieles besser laufen müssen, aber wir werden versuchen die Ereignisse so gut es geht zu reflektieren und vor allem sind wir ja eines: lernfähig.

Don’t let the system get you down – Denn DU bist Antifa!

Antifa Koordination Frankfurt im Juli 2007

Erster Bericht und Resumee der Antifa-Koordination Frankfurt
Erste Auswertung
der Anti-Nazi-Koordination
Pressemitteilung Rödelheimer Stadteilinititiaven vom 8.7.2007

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