Marcel Wöll

Hintergrundinformationen der Anti-Nazi-Koordination zu Marcel Wöll

Marcel Wöll (geb. 1983) aus Butzbach/Hoch-Weisel ist ein führender Aktivist der neonazistischen Freien Kameradschaften, der bundesweit als Redner auf rechtsextremen Kundgebungen und Demonstrationen auftritt. Seit den vergangenen Kommunalwahlen ist er Mitglied der Butzbacher Stadtverordnetenversammlung sowie (als Nachrücker) des Wetterau-Kreistages.
Seit dem 27. Mai 2006 ist Marcel Wöll Landesvorsitzender der Hessischen NPD.

1. Redner und Organisator bei rechtsextremen Veranstaltungen

Nachdem Wöll (Bild) zunächst nur als Träger des Transparents der Kameradschaft an zahlreichen Neonazi-Demonstrationen teilnahm - so z.B. in Leipzig und Berlin - tritt er seit 2004 bundesweit als Redner und Organisator von Neonazi-Aufmärschen auf, so z.B. auf einer Saalveranstaltung der NPD am 4. Juni 2005 in Hessen zusammen mit Bernhard Schaub und auf dem 10. Landeskongreß der Jungen Nationaldemokraten (JN) Hessen am 15. Oktober 2005 sowie bei Demonstrationen der "Freien Nationalisten Südhessen" am 22. August 2004 im südhessischen Reichenbach, am 3. Oktober 2004 in Heppenheim (Bergstraße), auf der Doppeldemonstration am 1. Mai 2005 in Frankenthal und Worms und anderswo.

Für den 8. April 2006 war Wöll als Redner zusammen mit bekannten Neonazis wie Jürgen Rieger, Christian Worch, Thomas "Steiner" Wulff, Thorsten Heise und Ralph Tegethoff auf einer Kundgebung in Mannheim unter dem Motto "Schafft Meinungsfreiheit – Freiheit für Zündel, Rudolf, Verbeke und Irving!" angekündigt.*

2. Das Neonazi-Zentrum in Butzbach

Nachdem die militante Neonazi-Gruppe "Freie Nationalisten Rhein-Main" ein angemietetes Objekt in Nidderau-Heldenbergen aufgrund des öffentliches Druckes wieder verlassen mußten, kaufte sie zu Beginn des Jahres 2005 im südwestlich der mittelhessischen Stadt Butzbach gelegenen Ortsteil Hoch-Weisel, Langgasse 16,  ein Haus, das der Neonazi-Szene zur Ausrichtung von Schulungs- und Vernetzungstreffen mit überregionaler Teilnahme dient (vgl. die HR-Berichterstattung, s.o.). Als inhaltliches Beispiel für die dort vermittelte Schulung kann der Begriff der "Volksgemeinschaft" angenommen werden, wie er auf der Homepage der hessischen NPD beworben wird. Wöll, seine Frau Janine Wöll (geb. Bedau) und die beiden Mitbewohner Christian Müller und Maximilian Elser gaben im Januar 2006 ihre Kandidatur auf der Wahlliste der NPD zur Kommunalwahl im Wetteraukreis am 26. März 2006 bekannt..

Gegen die Existenz des "Nationalen Zentrums" formiert sich seit seinem Bestehen breiter werdender Widerstand antifaschistischer Gruppierungen unterschiedlicher Art, dem sich im Vorfeld einer für den 28. Januar 2006 angekündigten Demonstration auch der Landrat des Wetteraukreises, Rolf Gnadl (SPD), die Vorsitzenden der DGB-Regionen Frankfurt-Rhein-Main, Main-Kinzig/Offenbach/Wetterau und Mittelhessen, das Evangelische Dekanat Wetterau sowie der Landesverband Hessen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) anschloss.

3. Anmelder einer antisemitischen und nationalsozialistischen Demonstration zur Fußball-WM in Frankfurt am Main, 17. Juni 2006

Wöll ist Anmelder einer bundesweit diskutierten Nazi-Demonstration am 17. Juni 2006 in Frankfurt, während der der Antisemit Ahmadinedschad (Staatspräsident des Iran) bejubelt werden soll. Damit hat er für hohe Bekanntheit für sich selber gesorgt. In einem Interview der "Hessenschau" äußert er, eine solche deutsch-islamische Solidarität gebe es historisch schon länger - Beispiel: "muselmanische" Freiwillige bei der Waffen-SS.

In ähnlicher, offenbar bewußt an NS-Traditionen anknüpfender Form zitiert Wöll den (höchstrichterlich verbotenen) SA-Spruch "Nichts für uns, alles für Deutschland" in nur leicht abgewandelter Weise als frischgebackener NPD-Landesvorsitzender, der er im März 2006 geworden ist.

Wöll und seine "Kameraden" von den "Freien Nationalisten Rhein-Main" haben sich für die Anmeldung ihrer Demonstration am 17. Juni 2006 gegenüber dem Frankfurter Ordnungsamt als "Nationale Sozialisten" bezeichnet. Die Demonstration wird im faschistischen "Aktionsbüro Widerstand Nord" beworben.

Weitere Informationen: http://www.antifa.frankfurt.org/, dort Links zu Presseberichten u.ä. mit detaillierten Informationen zu Wöll, den freien Nationalisten bzw. Nationalen Sozialisten und ihrem kriminellen Hintergrund, der gerade gerichtlich bestätigt wurde (http://www.antifa.frankfurt.org/Nachrichten/sachsenhausen-prozess-ank.html)

Nachtrag:

Marcel Wöll leugnet den Holocaust

Seit kaum einem Monat sitzt der NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll als Nachrücker im Kreistag des Weteraukreises. Schon seine zweite Teilnahme an einer Kreistagssitzung am 14. März 2007 nutzte er, um den Holocaust zu leugnen. Marcel Wöll hat im Wetterauer Kreistag den Holocaust geleugnet, indem er im Zusammenhang mit dem Vernichtungslager Auschwitz vom "sogenannten nationalsozialistischen Terror" gesprochen hat.
Erklärung der Anti-Nazi-Koordination
Die Staaatsanwaltschaft Gießen und die Kripo Friedberg haben nach dem die Äußerungen Wölls öffetnliche Empörung hervorgerufen hatten Ermittlungen wegen Leugnung des Holocausts und Volksverhetzung eingeleitet. HR-Video , HR-Audio
Aufgrund negativer Erfahrungen bei der Verfolgung von Antifaschisten ist die Anti-Nazi-Koordination schon jetzt gespannt, ob bei diesen Ermittlungen etwas herauskommt.

Weitere Weblinks:

Junge Neonazis organisieren sich in Butzbach. Hessenschau (Hessischer Rundfunk) vom 3. März 2005.
Polizei durchsucht Neonazi-Wohnungen. Hessenschau vom 25. Oktober 2005.

Braune Eintracht. In Frankfurt am Main und Umgebung treten Neonazis offensiver in Erscheinung. Vermutlich haben sich zwei Kameradschaften vereinigt. Von Jessica Konrad, Jungle World, Nummer 26 vom 29. Juni 2005.

Ergänzung von antifa.frankfurt.org:

* Die Demonstration war dann verboten worden, weil weitere Holocaustleugnungen auf der Kundgebung zu erwarten waren. Naziaufmarsch in Mannheim lief nicht

Weitere Informationen zu den Freien Nationalisten Rhein-Main und den "Freien Kameradschaften"
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