Die Zahl von ca. 3500 Antifas rund um die Bertramswiese darf für FrankfurtlM. als Erfolg gewertet werden.
Es hat sich als richtig herausgestellt, sowohl zum allseits bekannten Treffpunkt Willy-Brandt-Platz um 9.30 Uhr zu mobilisieren, als auch möglichst früh zum Ort der geplanten Auftaktkundgebung der Nazis. Daß mehr oder weniger große Gruppen in kurzen Zeitabständen vom Willy-Brandt-Platz Richtung Norden losgelaufen sind, hat es der Polizei schwer bis unmöglich gemacht, einen Überblick zu bekommen. Bei zeitweise 6 bis 7 Blockadepunkten rund um den Dornbusch plus mehreren Demos gleichzeitig im Nordend und Westend Richtung Dornbusch kamen sie erheblich ins Rotieren. Ein zentraler Treffpunkt in der Innenstadt und gemeinsames Loslaufen als große Demo zum Nazitreffpunkt hätte es der Polizei leicht gemacht, die überwiegende Mehrzahl der Antifaschistinnen weit ab vom Nazitreffpunkt zu stoppen oder in Auseinandersetzungen zu verwickeln. Laut Info-Hotline haben die meisten Leute die kurzfristige Mobilisierung zum Anlaß genommen, gar nicht erst zum Willy-Brandt-Platz zu gehen, sondern gleich zum „Ort des Geschehens“. Daß es dort zeitweise etwas chaotisch war, liegt auch in der „Natur der Sache“. Dies hat aber auch viele direkte Aktionen wohl erst möglich gemacht und unterschiedliche Aktionsformen in gegenseitiger Akzeptanz ermöglicht. Daß es noch einiges zu verbessern gibt, sollte Ansporn, für viele sein, sich in Zukunft aktiv an der Organisierung, Planung und Umsetzung von Konzepten einzuklinken. Ein großes Lob an die Leute, die Blockadepunkte aufrecht erhalten haben, an denen längere Zeit erstmal nicht viel „passierte“. Es war verdammt wichtig, die Sperren auf der geplanten Demoroute der Nazis so lange wie möglich zu halten, um zumindest deren Demo zu verhindern. Einen würdigen Abschied bereiteten dann nochmal mehr als 1000 Antifas den Nazis an der Hügelst. -bzw. Jean-Monet-Str. was die Abfahrt der Nazi-Busse nach Kalbach erheblich verzögerte und die restliche Tagesplanung der Nazis (anschließendes Konzert bei Gießen) gehörrig durcheinander brachte.
PS: In der Nacht zum 4. Mai wurde die Gedenkstätte für die im 3. Reich ermordeten jüdischen Schülerinnen in der Wählerschule (am Dornbuscht von „unbekannten" verwüstet. Bereits' im April hatte es ebenfalls am Dornbusch einenEinbruch in eine integrative Schule gegeben, bei. dem mehrere Hakenkreuze gesprüht wurden. Beispiele dafür, daß Aufmärsche häufig weitere Aktivitäten der örtlichen Naziszene nach sich ziehen. Und ein Grund mehr, solches in Zukunft noch entschlossener zu verhindern. Denn der Anmelder der Nazidemo,, Steffen Hupka, feierte den 1. Mai in Frankfurt/M. als „Einbruch in die Bastion" und kündigte einen weiteren Aufmarsch noch in diesem Jahr an.
Noch ein Nachtrag: 2 Tage nach dem 1: Mai bedankten sich einige auf ihre Weise bei der VGF (Verkehrs Gesellschaft Frankfurt für den kostenlosen Transport der Nazis von Kalbach zum Dornbusch. Sie zündeten eine Straßenbahn im Depot in Eckenheim an und hinterließen den Spruch: „Rache für den Nazitransport 1. Mai!"